Posterous theme by Cory Watilo

the lamb lies down on váci utca – Tag -83

 

Die Váci utca hieß früher Waiznergasse
Lamb heissen vermutlich schon immer so wie das Grillfleisch, das im Garungsprozess unumstößlich irgendwann auf Thymian (und/oder Rosmarin) stößt
Die o.g. Liveaufnahme vom Wechter-Festival hätte rein vom setting her auch auf dem Sziget stattfinden können
Viele Menschen, viele Bäume, ein Mädel mit lasziver Stimme und absolut kein Wiedererkennungswert
Blues-Stage hat's dieses Jahr keine (die Musi war immer latent scheiße, aber der Platz vor der Bühne war entspannt)
Metal Stage hat's dieses Jahr auch keine
Lamb hat's
Ich hab' Sorgen (ok, Luxussorgen, aber nichtsdestoweniger ...)
8-\

Das Auge hört mit – Tag -97

Lagunatemptation

...insbesondere bei Liveshows - wenn's musikalisch mal wieder etwas länger dauert, kann man sich zumindest optisch auf die Sängerin konzentrieren. Das scheinen auch die Szigetmacher zu wissen, anders ist dieses gewisse Faible für diese fürchterlichen Schwülst-Kathedralen-Operettencombos-mit Balkon nicht zu erklären. Letztes Jahr waren's noch Within Temptation mit der zugegebenermaßen wirklich umwerfend aussehenden Sharon den Edel (ich muss es wissen, wir gaben uns die Klinke buchstäblich in die Hand - und zwar die der einzigen Bordtoilette auf Flug KL1975 von Amsterdam nach Budapest), heuer gibt's offensichtlich die italienische Variante Lacuna Coil, deren Frontfrau hier rechts im Bild. Aber auch hier gilt: das schönste Korsett verliert rapide an Attraktivität, wenn es von Keyboardteppichen aus Power-Gothic-Rock in Szene gesetzt wird - dann doch lieber die vollbärtigen Bierplautzenträger von Amon Amarth! 

Was macht eigentlich ... ? Tag -118

Angietaylor2012small

Wenn sich wieder einmal ein paar hoffnungsfrohe Jungspunde selber ins Gespräch und aufs Billing bringen (aktuell sind's The Horrors, die unverwechselbar original 80er klingen), dann stellt sich dem Sziget-Veteranen wiederkehrend die Frage: was macht eigentlich Angie Taylor?

Ein Blick auf die neu gestaltete website und zu youtube () beweist - von Angie werden wir noch einiges zu hören und (idealerweise noch eher) zu sehen bekommen; und wenn irgendwo innerhalb all der Auftragsarbeiten zu den "Ich will Spaß-NDW-Shows" noch Platz ist, dann ja wohl zwischen dem 06. und 16. August . . . die Hoffnung stirbt zuletzt!

Friedlicher Stillstand - Tag -119

Szigetshirt

Nix geht in den News (außer der Aussage, dass Faith No More wohl nicht spielen werden - auch OK), keine neuen Metalbands gemeldet (bzw. bis auf Amon Amarth überhaupt noch keine gemeldet - vermutlich bauen sie die Metalstage einfach ab und ersetzen sie durch eine weitere Weltbühne), da verharren wir einfach mal weiter in freudiger Erwartung. Hotel ist jedenfalls gebucht, die Tickets ebenfalls, der Sommer kann kommen ...

Völkerball - Tag -134

 

Wer bis dato gedacht hat, dass sich die – insbesondere musikalischen – Aktivitäten des fahrenden Volkes darauf beschränken, nach dem Bau einer brokatschweren Wohnwagenburg auf einem Platz in einer meist fragwürdig beleumundeten Gegend in der Vorstadt den Nachwuchs unter Bewaffnung mit chinesischen Preiswertestkeyboards in die lokalen Fußgängerzonen zu entsenden, um dort mittels viertklassig herunterprogrammierten, im Ein-Finger-Suchsystem an jedweder Art von Rhythmusgefühl vorbei getippten , Lambada‘-Versionen dem Kleinbürger ebenjenes Geld aus der Tasche zu locken – nun, der sieht sich zwar nicht getäuscht, aber auch nur einen Teil des Großen Ganzen.

Die Fortgeschrittenen-Version für Erwachsene nennt sich ‚Weltmusik‘, wird von den Erzeugern der vorgenannten Rasselbande ebenfalls  gerne coram publico vorgetragen, und steht für Lebensfreude und weltumspannendes Miteinander. Wer so etwas gefühlte 100 Jahre nach Mano Negra noch braucht, erschließt sich mir zwar weniger, erfolgreich aber ist’s, das Sziget-Festival besteht zu etwa 60% aus Artisten dieses Genres (30% sind Pop, 8% sind seltsam,  der Rest sind Amon Amarth) – daher im Folgenden die 10 goldenen Regeln zur erfolgreichen Umsetzung einer Weltmusikkarriere:

1)      Es braucht einen mindestens zwei- (besser: drei-) teiligen Bandnamen, der aus idealerweise  zwei bis drei Sprachen zusammengesetzt ist. Eine davon sollte Spanisch sein (Fortgeschrittene: Katalan)

2)      Je mehr Musiker, desto besser: minimum 5, keine Grenze nach oben (wer hat schon einmal ein Weltmusiktrio gesehen? Eben)(OK, Alex Oriental Experience, aber die kennt kein Schwein mehr – schade, eigentlich)

3)      Zwei Artisten(zusätzlich zum Schlagzeuger) sind für Getrommel jedweder Art verantwortlich (siehe 2.)

4)      Einer spielt immer Akkordeon

5)      Outfit: weit offene (Fortgeschrittene: die obersten vier Hemdknöpfe) weiße Hemden hängen krumpelig aus schlechtsitzenden Anzügen. Jeans und Chucks sind absolute NoGos. Dünne Krawatten sind erlaubt, wenn lässig geknotet

6)      Outfit II: mindesten einer trägt einen Hut mit zu kleiner Krempe

7)      Outfit III: mindestens einer trägt ein Menjoubärtchen (6. Und 7. dürfen notfalls identisch sein)

8)      Auf Bandfotos wird immer schelmisch gegrinst, oder mit hochgezogenen Augenbrauen ironisch der Gangsterhabitus persifliert (Fortgeschrittene: beides gleichzeitig)

9)      Wenn eine Frau mitspielt, dann ausnahmsweise nicht Bassguitarre, sondern bevorzugt Geige. Oder sie tanzt. Oder beides.

10)   Hektisches auf-der-Bühne-Umeinanderspringen steht für Esprit, Elan und die genannte Lebensfreude und ist somit unerlässlich

So, das war’s. Die Musik erschöpft sich gemeinhin in folkloristischem Offbeat-Humptata und ist weitestgehend nur unter erhöhtem Alkoholeinfluss erträglich, dann aber richtig. Wir werden berichten.

Urban et Orban – Tag -155

http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/viktor-orban-im-gespraech-es-gibt-ein-verborgenes-europa-11671291.html

Ganz ehrlich, in diesem kleinen Rahmen darf ich's laut sagen: so ohne jedes weitere Basiswissen in das Horn zu tuten, das den Ungarn jegliche Kompetenz in Sachen demokratischer Gesellschaftsordnung abspricht, ist/war mir ein bisschen zu einfach. Im Feuilleton kommt die Thematik gerne vor, und der eine oder andere (Exil)ungar versucht dann durchaus, dem neu erstarkten Nationalismus etwas Positives abzugewinnen, oder ihn zumindest nicht völlig abwertend zu erläutern. Empfundene Stossrichtung: dasselbe Nationalgefühl, was sich jetzt - teilweise - in kleingeistigem Hurrapatriotismus äussert, war in tatsächlich grauer Vorzeit für die den Magyaren zu Recht nachgesagte Grundrenitenz gegenüber den sozialistischen Übervätern und -brüdern verantwortlich; kann also nicht ganz schlecht (gewesen) sein.

Aber ebenso ehrlich: das wirre Gewäsch über ein starkes, auf christlichen Werten fundamentierten Europa (mit Deutschland und Ungarn an der Spitze, oder was?) mal völlig beiseite - aber wenn der Chef dann folgendes über den Nationalfeiertag schwadroniert:

"Der 15. März, ein Nationalfeiertag, steht uns noch bevor. Dass wir unsere Anhänger erfolgreich mobilisieren, steht außer Frage. Das ist ein befreiendes Erlebnis für die Anhänger der ungarischen Rechten."

dann, ja dann, kommt doch wieder dieses im wahrsten Sinne des Wortes dumpfe Gefühl auf, dass die nächsten Grossveranstaltungen in Ungarns schöner Hauptstadt nicht zu housebeats im strobelight, sondern von Marschmusik untermalt im Fackelschein stattfinden - ich bin gespannt ob (und ggf. wie) die Budapester Sicherheitskräfte das 400,000 Menschen aus ganz Europa klarmachen wollen ...

Christian Wulff und der lange Weg nach Budapest

King

Wieder einmal befinden wir uns in der Sziget-Vorbereitungsphase und wieder einmal ist der Posten des Bundespraesidenten vakant (immer wieder gruesst das Murmeltier).
Dabei haette alles so schoen werden koennen! Der schon dereinst von Rio Reiser besungene Posten des Koenigs von Deutschland wurde durch unseren Bundeschristian doch ganz prachtvoll ausgefuellt. Koenigsgleich blickte er mit sanfter Milde auf die Volksschar herab in der Gewissheit, dass er – der Koenig – unantastbar sei. Ein paar weise Worte zur Integration und hin und wieder der Besuch eines Galadiners, so laesst es sich aushalten. Jetzt galt es nur noch die Schar ungebildeter Schafe so lange am Nasenring durch die Manege zu fuehren, bis das Stahlgewitter vorbeigezogen ist.
Und was macht dieses treulose Pack? Es revoltiert. Allen voran die Motzkoffer von der Zeitung. Da half selbst ein persoenlicher Anruf mit Machtwort nicht weiter. Wissen die von der BILD eigentlich nicht wer der Koenig in Deutschland ist? Jedenfalls wissen sie jetzt was der Rubikon ist! Das hat der Koenig denen mal erklaert.
Lieber Christian, komm mit uns nach Budapest. Flug in der Eco-class (upgrade fuer ex-Koenige optional) und Unterkunft in einer bescheidenen Bleibe, die auch Du selber bezahlen kannst.
In Ungarn da ist die Welt noch in Ordnung. Koenig Viktor ist der unangefochtene Herrscher ueber ein Volk, das ihm treu ergeben ist (die kennen sich mit Koenigen und Kaisern eben besser aus). Nach einem kurzen Ausflug in die Demokratie findet man hier zu traditionellen Werten zurueck! Hier werden keine komischen Fragen gestellt. Dieses Volk weiss, was es seinem Herrscher schuldig ist. Und wenn es doch mal nicht so richtig laeuft wird halt die Verfassung geaendert. Dann stellen die Zeitungsfuzzies auch das schnoede gemotze ein. Alles ganz rechtsstaatlich und demokratisch, versteht sich!
Hier wirst Du Dich sicher wohl fuehlen. Das laermende Jungvolk auf der Insel, die Zeltlager, Bierstaende und die laute Musik – wunderbar! Am Besten bringst Du die Betti auch noch mit. Die feiert doch auch gerne.
Also bis bald in Budapest – Hermann Albrecht, der Cap und ich freuen uns schon darauf mit Euch bei den Klaengen von Ministry, Placebo und Co. zu feiern. Ach ja - und den Rubikon muss auch keiner ueberschreiten um da hin zu kommen.

Amsel, Drossel, Fink & keine Stars

 

Schon wieder eine Selbstbestätigung - angeblich gab's auch mal eine deutsche Band desselben Namens. Die hier (oder eher: der hier, scheint eine Art Singer/Songwriterding mit Sättigungsbeilage zu sein) ist aber aus England, was es irgendwie auch nicht 'rausreisst. Klingen tut's wie Boy, sieht nur nicht so gut aus, daher heisst es, weiter optimistisch zu bleiben, und auf Angie Taylor zu hoffen ...

Nostalgia stays home, cool bands come instead - Tag -175

Ministry

Die Nostalgie bleibt also zuhause, und schickt stattdessen coole Bands; klingt gut, auch wenn nicht ganz klar ist, was die Stone Roses und  - äh, Ministry dann diesen Sommer machen ?
Letztere werden auf szigetnews.com gehandelt; auf ihrer myspace-Seite gibt's dazu keinen HInweis, sondern nur den verzweifelten Wunsch eines einsamen Alfelders, sie endlich wieder mal in seiner Stadt zu sehen. Dem kommen wir natürlich nicht nach, sagen 'ällebätsch' nach Alfeld und freuen uns jetzt schon darauf, sie stattdessen in Budapest zu verpassen . . .

Monsieur 10,000 Volt strikes again - j' wanna be your chien!

Iggy

Szigets kleiner Bruder, das Volt-Fesztivál (nur echt mit dem 'z'!) hat gepostet, und gleich mal den headliner katzenmässig aus dem Sack gelassen: Iggy & The Stooges!
Yup, ernsthaft.
Und zwar eben nicht nur Iggy, das alte Sehnenpaket, sondern die Stooges noch mit im Angebot.
Nur zum besseren Verständnis: von den Stooges besitze ich die erste Platte (für euch Jüngere: die grossen, schwarzen, runden Tellerdinger, von denen man nicht essen kann, weil sie sich bei höheren Temperaturen verformen), und das war damals schon eine Elektra-Nachpressung. Damals heisst: späte 70er.
Und aus ebendieser Meldung und o.g. Foto lernen wir:
a) auch beim Sziget kann noch manch' Überraschendes die Bühne entern
b) ab einem gewissen Alter ist blickdichte Oberbekleidung alternativlos 'de rigueur'